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Waldsterben

Hier sieht es in 2000 Meter Höhe bald wie im Erzgebirge aus. Der Raubbau an der Natur geht trotzdem weiter.

Textauszug

Die so genannte heile Welt in der Hochregion.

Auch im Schweizer Nationalpark verschärft sich das Bergwaldsterben dramatisch.

Das große Sterben in den Bergen

Können wir uns vorstellen, ausmalen, wie ein Baum stirbt; wie qualvoll er verendet? Wir Laien können es in der Regel nicht!

Machen wir uns klar, dass die Pflanzen, mit denen wir leben sollten, kleine und große Wunder sind, die über hydraulische Ventile verfügen und raffiniert gesteuert werden. Wir machen uns überhaupt nichts klar, nehmen vielmehr als Selbstverständlichkeit hin, dass die Bäume den Wasserhaushalt regulieren, uns vor Lawinenkatastrophen bewahren, die Berge am Laufen hindern, Gifte aus der Luft kämmen und uns Sauerstoff zum Atmen spenden.

Begegneten wir der Natur und dem Wald, die wir oft genug sentimental besingen, nicht wie Fremdlinge und unwissende Barbaren, käme uns vielleicht Mitleid mit uns selber an angesichts des milliardenfachen Öko-Sterbens (die Schweizer sprechen schon seit Jahren von Grün-Sterben) in den Bergen. Ist ein Baum, ein Bärlappgewächs oder die blaue Heidelbeere einmal vergiftet, dann nagt der Tod an allen Seiten. Ein Ahorn, eine Fichte, eine Birke oder Latsche zeigen die Todesmale ja nicht nur in der Krone, auf Nadeln und Blättern. Es sterben auch ihre Feinwurzeln und die symbiotischen Pilze im Boden ab. Und was vollzieht sich im Saftstrom des kranken Baumes? Welche Verheerungen richten die Kleintröpfchen und die mit Schwermetallen befrachtete Luft an, die aus Gift-Nebeln und Gift-Wolken auf die Epidermis von Nadeln und Blättern, auf Ast und Zweig, auf Stamm und Waldboden fallen.

Wir finden das Schrille, Schreiende und Einsinnige schön. Bewundern einen Eiffelturm vielleicht, ziehen das himmelstürmende Direkte der organisch gewachsenen Vielfalt des Natürlichen vor. In der Schule lernt man nicht, vernünftig, das heißt ökologisch, zu denken. Die Folge ist: Wir wissen nicht, was ein Kreislauf oder ein Synergismus in seiner Bedeutung für unser aller Leben ist. Wenn wir am Sonntag einen Waldspaziergang machen, den Fuchsbau für unsere Kinder suchen oder nach einem possierlichen Rehlein Ausschau halten, frisst sich über unseren Köpfen und zu unseren Füßen nitrosilschwefelige Säure (eine Verbindung aus Schwefeldioxid und Stickstoffmonoxid) in den Baum und in die Wurzeln. Summende Gifte, das sind lonisierungsprodukte, die von Hochspannungsleitungen ausgehen, sind gleichfalls am Werk. Ozon und andere Photooxidantien liegen uns im Höhenluftkurort nicht nur auf Haut und Lunge, sie zerfressen auch die wächserne Schutzschicht von Nadeln und Blättern, deren Spaltöffnungen zum Atmen bald nicht mehr taugen.

Machen wir uns klar, was all diese Belastungen, unsichtbaren Gifte, nicht wahrnehmbaren Gase und ultra-violetten Strahlen für uns, die Pflanzen, aber auch für die Bakterien im Waldboden, die Protozoen, die Bienen und Hummeln, für Hirsch und Reh, Gamsbock und Murmeltier, die Milchkuh "Emma" oder den Alpensalamander bedeuten?
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